Le Havre – Utopie moderner Architektur

Januar 6, 2016 1:51 pm  |  Land & Meer

Die große Industrie- und Hafenstadt an der Mündung der Seine hat bei Touristen wie auch bei den Franzosen keinen schillernden Ruf – und das völlig zu Unrecht. Im Verhältnis zu anderen altehrwürdigen Städten Frankreichs mit bis zur Römerzeit zurückreichenden Wurzeln, ist Le Havre noch eine relativ junge und moderne Stadt, die dennoch auf eine sehr wechselhafte Geschichte zurückblicken kann.

Oscar Niemeyer

Oscar Niemeyer

Gegründet im 14. Jahrhundert und unter Richelieu im 17. Jahrhundert zur Garnisonsstadt ausgebaut, gewinnt die Stadt vor allem aufgrund des Handels mit der jungen Republik USA an Bedeutung und Reichtum. Der Hafen entwickelte sich zu einem der bedeutendsten des Landes. Im benachbarten Sainte Adresse befand sich von Oktober 1914 bis November 1918 der Sitz der belgischen Exilregierung. Das Jahr 1944 markiert jedoch einen drastischen Wendepunkt in der Geschichte: aufgrund der strategischen Bedeutung unter der nationalsozialistischen Besatzung stand Le Havre immer wieder unter massiven Beschuss, so dass die Stadt schließlich zu 85% in Schutt und Asche gelegt war.

Das Architekturbüro Auguste Perret wurde damit beauftragt, einen Masterplan für die Stadt zu erstellen. Kurz nach Kriegsende begann man mit dem Wiederaufbau im Geiste Le Corbusiers. Die enormen Schuttberge wurden dabei auf originelle Weise zu Beton verarbeitet: durch die spezielle Mischung und Einfärbung entstand eine einzigartige Struktur und Oberflächengestaltung – eine völlig neue Betonästhetik.

UNESCO Weltkulturerbe

UNESCO Weltkulturerbe

Straßengestaltung und Gebäudeformationen des neuen Zentrums erinnern teilweise an die Interpretationen des sozialistischen Realismus (hier insbesondere die ehemaligen „Arbeiterpaläste“ der Karl-Marx-Allee in Ost-Berlin) oder an den Modernismus von Oscar Niemeyer. Der weltberühmte Architekt (u.a. plante er die südamerikanische Hauptstadt Brasilia) hat mit dem Kulturzentrum ‚Le Volcan’ auch in Le Havre seine Spuren hinterlassen.

Blick vom Jachthafen auf Le Havre

Blick vom Jachthafen auf Le Havre

Diese ‚Neugründung’ Le Havres war in der Bevölkerung umstritten – viele Franzosen sprachen von einer zweiten Zerstörung der Stadt und konnten sich mit der modernen Architektur nicht anfreunden. Doch die Stadtväter haben sich durchgesetzt – und damit Le Havre zu einer einzigartigen, modernen und durchaus wieder attraktiven Großstadt werden lassen. Mit der Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe im Juli 2005 wurde so der geschundenen Stadt doch noch die gebührende Ehre zuteil.

Le Havre vue d'en haut

Vom Glockenturm Saint Joseph

Auch kulturell hat Le Havre viel zu bieten: besonders zu empfehlen ist ein Besuch im Museum André Malraux – hier befindet sich die nach dem Musée d’Orsay in Paris größte und bedeutsamste Sammlung impressionistischer Malerei. Unter den vielen architektonischen Meisterleistungen ist neben dem „Vulkan“ Oscar Niemeyers vor allem die Kirche Saint-Joseph zu nennen: ein lichtdurchfluteter, moderner Tempel mit einem einhundert Meter hohen, markanten 8-eckigen Turm, welcher an die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges mahnend erinnert.

Wer komplett in den Stil der 50er Jahre eintauchen will, kann in Le Havre Zimmer mieten die im Nierentisch-Look eingerichtet sind. In Perfektion kann man dies im Museum Appartement Temoin Perret bewundern: in diesem kleinen Museum ist die Zeit wirklich stehengeblieben.

Appartement témoin Auguste Perret Normandie Le Havre

Original 50ies

Ein weiteres verstecktes Highlight sind die Jardins Suspendus über den Dächern der Stadt: innerhalb einer ehemaligen Festung befindet sich eine wunderschöne Gartenanlage, in der seltene Gewächse aus allen Erdteilen zusammengetragen wurden. Fast 4000 verschiedene Species laden ein zu einer botanischen Reise nach Nordamerika, Asien, Australien, und Europa. Hier befindet sich auch eine Sammlung von seltenen Orchideen in einem der vielen Gewächshäuser.

Les Jardins Suspendus

Les Jardins Suspendus

Les Jardins Suspendus

Les Jardins Suspendus

 

 

 

 

 

 

 

Auch wenn es sich nicht mit pittoresken Örtchen der Normandie wie Honfleur oder Fécamp messen kann und will, hat Le Havre einen ganz besonderen Flair, den man als Besucher der Normandie nicht verpassen sollte. Und an der neu gestalteten Strandpromenade kann man ganz vorzüglich Essen & Trinken – und den großen Ozeanriesen auf ihrer Reise über die Meere nachsehen.

Le Havre - Blick auf die Strandpromenade

Le Havre – Blick auf die Strandpromenade

 

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